--- Sium ---

Foto: Jeanne Faust

Im Land Sium

Sium bringt mit ihren Farben, Formen und Schnittlinien neue Bilder ins Leben. Sium betrachtet Kleidung als natürlichen Lebensraum und Mode als Sprache, um unbeschwert miteinander zu kommunizieren.


Regine Steenbock

Regine Steenbock, die ihr Label Sium im Jahr 2000 ins Leben rief und seit 2002 einen Sium- Laden in der Hamburger Marktstraße führt, begann vor dem Hintergrund einer  künstlerischen Ausbildung  Kleider zu entwerfen. Experimente, wie freihändig auf den Stoff gezeichnete Schnittformen, die sie direkt auf den Körper übertrug, bildeten den Anfang einer umfassenden Erforschung der Schnittgestaltung.

Durch Faltungen entstehen neue Passformen, durch das Auseinanderziehen von Rock und Rockfutter die Idee zu einem variablen Kleid. Ein verrutschter Ausschnitt gibt einen reizvollen Einblick auf die darunter liegende Kleidungsschicht, eine leicht verschobene Symmetrie verleiht dem Körper  ungewohnte Proportionen: Diese  Art der Formfindung sowie der erfinderische Umgang mit Verarbeitungstechniken, Materialien und Farbe prägen den Stil von Sium. Mit jeder neuen Sium-Kollektion korrespondiert darüber hinaus ein eigens entworfener Siebdruck oder eine Stickerei in limitierter Auflage als Schmuck oder vieldeutiges Zeichen.

Die Sium-Linie

Foto: Jeanne Faust

Trotz allen Feinsinns sind Sium-Kleider für den alltäglichen Gebrauch gemacht. Sie versprechen ein spontanes Spiel mit schnellen Veränderungen und überraschenden Verwandlungen. Häufig können die Stücke mit Bändern, Gummis oder Drapierungen eigenhändig verändert werden oder zeigen durch Drehen oder Wenden  eine andere Farbe, ein neues Gesicht.

Die Sium-Linie verbindet minimalistische Klarheit mit erzählerischen Momenten. Sium greift dazu Grundmuster gewöhnlicher Kleidung auf und versieht sie mit leichten Irritationen. So entwächst aus dem altgewohnten Bild des klassischen Männerunterhosen-Feinripp ein feminines Oberteil mit angedeuteten Puffärmeln und breitem Hosengummi als Ausschnitt. Oder die derangierte Rückenansicht eines hochgerutschten Rockfutters bildet die Ausgangsform für eine mobile Rockschleppe.

Häufig sind die Bilder mit denen Sium spielt, der Biologie entlehnt und verweisen damit ironisch auf die untergründige Instinkthaftigkeit unserer kultivierten Lebensweise: Indem wir uns – ähnlich wie das Tierreich mit seinen Formenreichtum an Balz-, Tarn- oder Imponierkostümen – mit der Mode einen wie auch immer gearteten evolutionären Vorteil zu verschaffen suchen.